Donnerstag, 28. November 2013

Bollinger-Bänder – ein Mittel der Chartanalyse


Bollinger-Bänder – ein Mittel der Chartanalyse

Dieser Indikator wurde laut Wikipedia von John Bollinger vor rund 30 Jahren entwickelt. Er gilt als einer der häufigst verwendeten Instrumente der Chartanalyse und soll Änderungen im Trend erkennen helfen.

Grundlage der Bollingerbänder ist die Normalverteilung nach Carl Friedrich Gauß, einem deutschen Mathematiker der zwischen 1777 und 1855 lebte. Was bedeutet nun die Gaußche Normalverteilung oder Glockenkurve genau?

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Schulalltag – auch wenn der bei den meisten von uns schon geraume Zeit her ist – der Notenspiegel unter den Klassenarbeiten.

Im Normalfall zeigt sich eine ansteigende Kurve von den Überfliegern bis zum Durchschnittsschüler, die dann bis zu den armen Teufeln wieder abfällt.

Notenspiegel
Anzahl Note1 Note2 Note3 Note4 Note5 Note6
Schüler 2 4 8 3 2 1

Wenn man diesen Notenspiegel in einer Kurve darstellt erkennt man, dass die häufigste Note einen Mittelwert darstellt. Wenn man dies über einen längeren Zeitraum - nehmen wir mal ein Schuljahr an – betrachtet, wird unschwer feststellen können, dass sich der „arme Teufel“ von Note 6 durch intensives Lernen allenfalls dem Mittelwert nähern kann, der Überflieger durch „andere Prioriäten als Lernen“ aber auch kaum bis an untere Ende der Kurve durchgereicht werden wird, sondern auch sich im das Mittelmaß wieder finden wird.


Nun aber zurück zu Herr Bollinger und seine Bändern.

Herr Bollinger hat als Grundlage einen gleitenden Durchschnitt über 20 Tage angenommen und somit die „Mittellinie“ um den Kursverlauf anhand einer Aktie bestimmt. Dann hat er die sogenannte Standardabweichung ( im Fall unseres Notenspiegels die Einser- und Zweierschüler als obere Standardabweichung und die Vierer- , Fünfer- und Sechserschüler) zu dem Durchschnittswert dazu gerechnet bzw. abgezogen. Das Ergebnis waren dann die oberen und unteren Bollingerbänder.

Von diesen Bänder kann man folgende Handelssignale ableiten:


  1. Nähern sich die oberen und unteren Bänder der Mittellinie kann man von einer massiven Kursbewegung erst mal ausgehen. Die Richtung ( steigend oder fallend ) ist damit aber noch offen.
Die Bewegungen innerhalb einer Normalverteilung gehen meist von einem Band zum anderen – also entweder von fallend zu steigen oder umgekehrt. Ist also der Trend am Beispiel unserer Schulklasse so, dass die armen Teufel anfangen zu lernen wird sich die Anzahl der Note 6 und 5 verringern und eine Häufung bei 4 und 3 erst mal die Folge sein. Lernen die schwachen Schüler noch mehr – geht der Weg weiter nach oben. Umgekehrt werden die Überflieger von 1 bis 3 allenfalls 4 durchgereicht werden, bevor auch hier das Umdenken – sprich wieder mehr Lernen – einsetzt. Auf unsere Bollingerbänder übertragen bedeutet dies, dass ein Kurs – wenn er in die Nähe eines Bandes kommt – auch dazu neigt um zu denken und die entgegengesetzte Richtung einschlägt.

  1. Nehmen wir jetzt mal unsere Überflieger der Klasse als Beispiel. Der Überflieger sieht keinen Grund zum Lernen – weil die 1 oder 2 schafft er sicher – tut nichts mehr für die Schule, er fällt auf eine 3 oder 4. Nun kommt der Frust über den Misserfolg und plötzlich muss er lernen, seine Zeit anders einteilen und gerät dadurch immer mehr unter Druck und blockiert sich. Dann ist nur noch eine Frage der Zeit bis er unter den Mittelwert fällt und sich dem unteren Band nähert. Je schneller dieser Prozess abläuft um so wahrscheinlicher ist es, dass er das Klassenziel verfehlt und sitzen bleibt.

Übertragen wir nun dieses Phänomen auf die Bollingerbänder bedeutet das für uns:
Verlässt ein Kurs die Begrenzung des Bollingerbandes kann man mit einer weiteren Bewegung in Ausbruchsrichtung rechnen.

Wie alle Indikatoren basieren auch die Bollingerbänder auf den Werten der Vergangenheit und können daher nur bedingt in die Zukunft exakte Berechnungen liefern.

Daher sollte man auf keinen Fall nur nach den Bändern handeln sondern auch immer die aktuelle Nachrichtenlage im Auge behalten. Trotz dieser Einschränkungen gehören die Bollingerbänder aber zu den Standardindikatoren, die relativ einfach an zu wenden und empfehlenswert sind.



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