Im Beitrag Chartbilder- und warum sollte man sich damit befassen bin ich auf die kurz auf die verschiedenen Darstellungsformen im Chart eingegangen. Die von mir bevorzugte Variante sind und bleiben die Candlesticks. Dieser Beitrag soll einiges an Hintergrundinformationen zu den Candlesticks vermitteln.
Diese Darstellungsform – zwei verschiedenfarbige Kerzen – ja nach Chart-Anbieter oder individueller Einstellung schwarz/weiß, rot/grün, rot/blau oder rot/weiß – und die Analysemethode die sich daraus ergibt, stammt aus Japan und hat dort eine lange Tradition.
Dort hat der japanischer Reishändler Homma Munehisa, der den Beinamen „Gott der Märkte“ trug und zwischen 1724 und 1803 lebte, für die langfristige Aufzeichnung der Preise an der japanischen Reisbörse diese Darstellungsform entwickelt und für die Prognose der Preisentwicklung für den Reis genutzt. Die Methode wurde durch Steve Nison für den modernen Börsenhandel populär gemacht.
Ein Vorteil der Candlesticks gegenüber zum Beispiel dem Linienchart besteht darin, dass in einer Kerze mehrere Hintergrundinformationen enthalten sind.
Generell steht jede Kerze für eine Zeiteinheit. Je nach Einstellung und Anbieter in der oberen Chartleiste kann dies von Minuten bis zum Jahreschart ausgewählt werden. Um Aussagen über einen zu erwartenden Kursverlauf zu treffen sollte man sich meiner Meinung nach die Kursinformationen immer in verschiedenen Zeitrastern ansehen, um alle Informationen über kurz-, mittel oder langfristige Trends in seine Tradingentscheidung ein zu beziehen.
Ein Candlestick besteht wie eine Kerze normalerweise auch aus Körper und Docht. Allerdings hat der Candlestick zwei Dochte einen oben und einen unten. Die Farben rot und schwarz stehen für fallende Kurse, die Farben weiß, grün oder blau für steigende Kurse.
Die Körper der Kerzen zeigen, wenn man mit der Maus darauf zeigt den Eröffnungs – und Schlusskurs ( open – close ), die Dochte Höchst- und Niedrigstkurs ( high – low ) für die Zeitperiode. Allerdings muss folgende Grafik beachten um die einzelnen Kerzen zu interpretieren:
Aus der Länge der Körper kann man erkennen ob es sich um einen ausgeglichenen Markt handelt oder ob Nachfrage- oder Angebotsüberhang das Marktgeschehen bestimmte.
Hier gilt je größer der Körper umso unausgeglichener war das Nachfrage - Angebotsverhältnis.
Der so sogenannte Doji – eine Kerze fast ohne erkennbaren Körper – stellt für den Zeitraum der Betrachtung einen ausgeglichenen Markt dar, bei dem Eröffnungs- und Schlusskurs nahezu identisch sind.
Während die Körper der Kerzen das Angebots- und Nachfrageverhältnis ausdrücken, dienen die Dochte der Anzeige der Höchst- und Niedrigstkurs innerhalb der Zeitperiode. Fehlende Dochte bedeuten, dass Höchst- bzw. Tiefstkurs mit Eröffnungs- bzw. Schlusskurs identisch waren.
Beobachtet man einen Minuten- oder fünf-Minuten-Chart, kann man oft beobachten, dass die Kerze die Farbe wechselt, je nach Kursentwicklung. Mehrere gleichfarbige Kerzen in Folge deuten auf einen Trend hin.
Aus den Informationen der Kerzen kann man schon mal grob festlegen, in welche Richtung der Markt tendiert und ob man eher einen Long-Einstieg (Kauf eines Pärchens) oder einen Short-Einstieg (Verkauf eines Pärchens) favorisieren sollte.
Aber hier ist Vorsicht geboten, aus der sich entwickelnden Kerze oder der Tatsache, dass zwei – drei oder vier Kerzen in der gleichen Farbe erscheinen, kann man keinen sicheren Trend ausmachen. Das wäre ungefähr so, als wenn man aufgrund eines Blickes vor die Tür schon an der momentanen Wetterlage die große Grillparty planen würde (bei unserem Wetter sollte man da doch etwas weitergehende Wetterbeobachtungen machen).
Was bedeutet dies für unsere Candlesticks nun?
- wir können aus ihnen ablesen, wie sich der Kurs während der Zeitperiode entwickelt hat.
- Wir können anhand mehrerer gleichfarbiger Kerzen einen groben Trend erkennen
- wissen aber immer noch nicht wie sich der Kurs in der Zukunft wahrscheinlich entwickeln wird.
Um die Werte der Vergangenheit, die wir aus den Kerzeninformationen ablesen können, sicher für Tradingentscheidungen zu nutzen bedienen wir uns den sogenannten Indikatoren.
Aber Vorsicht, allen Indikatoren ist eines gleich – sie kennen nur die Daten der Vergangenheit und übertragen die Erkenntnisse auf die Zukunft!
Also auf unsere Grillparty von vorhin übertragen – würde jemand auf die Idee kommen nach dem 100jährigen Kalender eine Riesenfete im Freien für einen bestimmten Tag ein halbes Jahr im Voraus ohne Plan B – in Form eines großen Partyzeltes – planen?
In weiteren Beiträgen werde ich demnächst auf verschiedene Indikatoren eingehen.


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